Reisen

Jungfernfahrt ins Elbsandsteingebirge

Bereits acht Wochen, nachdem wir mit dem Ausbau von Bob begonnen hatten, gingen wir auf Jungfernfahrt. Natürlich war noch nicht alles fertig, geschweige denn perfekt, aber das war der Plan. Mit dem Nötigsten ausgestattet wollten wir uns anfreunden, wollten erleben, was wir im Alltag auf Reisen wirklich benötigen und wie wir uns im Fahrzeug bewegen. So konnten wir am besten feststellen, ob das, was wir uns im Vorfeld überlegt hatten, auch im real vanlife funktionierte.

Wir freuten uns wie kleine Kinder und beschlossen, bei der ersten Fahrt einen Campingplatz anzufahren. Strom und warmes Wasser sind vorhanden und wir können entspannt den Verbrauch unserer Geräte testen. Die Lithium Batterie* war zwar inzwischen eingebaut, aber man weiß ja nie und obwohl wir bereits unsere „Stromfresser“ wie z. B. den Thermomix oder kleine Geräte wie Handy oder Tablet zuhause getestet hatten, war uns wohler bei dem Gedanken, die erste Fahrt auf einem Campingplatz zu verbringen.

Gemütlich und überschaubar

Das ist grundsätzlich unsere Devise. Wir mögen es möglichst unberührt und wenig bis gar nicht überlaufen. Also suchte ich zwei Tage vor Abfahrt nach einem Campingplatz irgendwo im Elbsandsteingebirge, der unseren Kriterien entsprach. Und in der Tat war ich erfolgreich.

Wir erreichten die Berg-Oase am Nachmittag bei strahlendem Sonnenschein. Es war zwar sehr windig und kalt, nachdem die Wochen zuvor bereits der Frühling Einzug hielt, aber natürlich packten wir zuerst Tisch und Stühle aus, um anzukommen und wirken zu lassen. Grandios!

Die erste Handlung hieß Kaffee kochen. Suchen, suchen, suchen. Kaffee, Wasser, Gas, Tassen (die Spüle war bis zur Abfahrt leider noch nicht eingetroffen, also behalfen wir uns mit einem 19 L- Wasserkanister) Die Zubereitung des Kaffees dauerte, aber wir genossen ihn umso mehr. Ihr wisst wahrscheinlich, was ich meine. Dieses Gefühl von Freiheit, Entschleunigung – nichts tun zu müssen, außer in den Tag hinein zu leben und die Seele baumeln zu lassen.

Die Temperaturen sanken in Richtung Gefrierpunkt und die erste Nacht stand bevor. Der Schneider hatte uns versetzt und so waren die Gardinen noch nicht fertig. In diesem Fall behalfen wir uns mit Klemmhäckchen, die wir in die Öffnungen des Bleches hängten und die Gardinen daran festmachten. Funktionierte wunderbar! Glücklich waren wir darüber, dass wir kurz vor unserer Abfahrt bei 15 Grad noch an die Wintermützen dachten… ohne die wären wir kläglich gescheitert, denn die Temperaturen sanken stündlich.

Frisch, munter und überglücklich ging es in den nächsten Tag.

Wandern im Elbsandsteingebirge

Ein Wunsch, den wir uns mit Bob vorerst erfüllen werden ist, Deutschland kennen zu lernen. Es gibt so viele Orte und Gegenden, die wir noch nicht kennen und das soll nun anders werden. Wandern kann man im Elsandsteingebirge wahrscheinlich drei Wochen hintereinander, ohne einen Weg zweimal zu gehen. Da wir wussten, dass wir nur ein par Tage Zeit hatten, entschieden wir uns jedoch für die klassischen Ziele Basteibrücke und Festung Königstein.

Achthundertfünfzig Stufen hoch und wieder runter. Am Ende zeigte der Schrittzähler nur 6100 Schritte, wir fühlten uns jedoch wie nach einem 10 km Lauf. Aber es lohnt sich und das Wetter verwöhnte uns zu 100%.

Über Rathen sind wir aufgestiegen, aber Achtung… der Ort ist nicht gut erreichbar. Mit dem Auto kann man nicht direkt in den Ort fahren, muss entweder kurz vor der Ortseinfahrt gebührenpflichtig parken oder etwas höher auf einem Parkplatz kostenfrei, dann aber den ersten Abstieg in den Ort schon vorab mitnehmen.

Sehr zu empfehlen ist nach dem Abstieg von der Batei eine Forelle in der Forellenräucherei Rathen. Direkt am Teich kann man bei gutem Wetter draussen sitzen, entspannen und eine fangfrische Räucherforelle, ein kaltes Bier und/oder andere Fischbrötchen und Getränke geniessen.

Obwohl wir vom Treppensteigen genug hatten, wollten wir unbedingt die Festung Königstein sehen, bevor wir das Gebiet wieder verlassen. Und es war keine Frage, auch dort zu Fuß hoch zu gehen. Die Stufen und Höhenmeter haben wir nicht gezählt, für den Aufstieg von Königstein aus braucht man fünfundvierzig Minuten.

Unglaublich, was Menschen vor Jahrhunderten in der Lage waren zu bauen! Für den Eintritt von 12,00 €/Erwachsenen sind wir einige Zeit über die Anlage gelaufen. Es werden weitere gebührenpflichtige Führungen und Ausstellungen angeboten, wer möchte kann sich den lieben langen Tag auf der Festung aufhalten. Wir entschieden uns für Kaffee und Kuchen beim Burgbäcker – sehr lecker und machten uns auf den Rückweg.

Inzwischen war der Winter zurück gekehrt, unsere Standheizung noch nicht installiert… also war unser bester Freund im Wohnmobil „Luiggi“, unser Heizlüfter. Er tat fleißig seinen Dienst und wir warfen einen Stromeuro nach dem anderen in die Stromsäule, aber was soll´s, Gemütlichkeit steht weit vorn und die haben wir uns wirklich gezaubert.

 

In der dritten Nacht hatten wir uns komplett an die Kälte gewöhnt, schliefen zwar noch immer mit Mütze, aber deutlich besser und auch die Nase hielt es deutlich länger ausserhalb der Decke aus. Aufgrund der Wettervorhersage (Schnee und Schneeregen) entschieden wir uns allerdings, die  Rückfahrt anzutreten. Mit einer Liste von Dingen, die uns noch fehlen wie z. B.

  • Spiegel
  • Kaffedose oder
  • „Aufbockkeile“

oder auch Montagen, die sich als ungeeignet erwiesen und im Nachhinein verändert werden müssen wie z. B. unser klappbares Fußteil der Betten, welches dann eine Sitzbank freigibt, fuhren wir nach Hause. Voll motiviert, glücklich und in Vorfreude auf die nächste Tour in zwei Wochen.

Fazit

Die Berg-Oase ist ein gepflegter, ruhiger und gemütlicher Campingplatz mit neuen, super sauberen sanitären Anlagen. Die Waschräume bestehen aus Einzelräumen mit jeweils einer Dusche und einer Toilette, die man für sich allein hat. Ausgestattet mit Fußbodenheizung bleibt eigentlich kein Wunsch offen. Für diejenigen, denen das noch nicht reicht, stehen zusätzlich noch drei Privatbäder gegen Gebühr zur Verfügung.

Waschmaschine, Platz für Lagerfeuer und Sauna machen den Aufenthalt sehr angenehm, und für uns hätte es zum Einstieg nicht besser sein können. Es hat uns so gut gefallen, dass wir noch eine dritte Nacht angehängt haben, die wir eigentlich auf einem Landvergnügen-Hof* verbringen wollten, um auch das Freistehen zu üben. Aber das testen wir dann beim nächsten Mal.

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